Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Untermaiselstein

Aufgrund der Urkunde des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes in München vom 1. Januar 1899 wurde die Freiwillige Feuerwehr Untermaiselstein als Mitglied und als am 1. Juni 1882 gegründet in die Grundliste des Verbandes eingetragen. Spärliche Aufzeichnungen sind über den Einsatz der neugegründeten Feuerwehr und das Vereinsgeschehen während der folgenden Jahre vorhanden.

Mündlich ist überliefert, dass sich Untermaiselsteiner Bürger im Rahmen der Nachbarschaftshilfe auch an den Löscharbeiten bei den Grossbränden in Immenstadt und Wertach beteiligt haben. In Immenstadt waren die Untermaiselsteiner zum Schutz des Klosters eingesetzt. Aus Dankbarkeit wurde von den Patres lange Zeit am Jahrestag eine heilige Messe für die verstorbenen Feuerwehrleute aus Untermaiselstein gelesen.

Nachweisbar bekämpfte die Wehr im Jahre 1899 den Brand des landwirtschaftlichen Anwesens Nr. 7 von Albert Jörg in Freidorf und 1925 den Brand des landwirtschaftlichen Anwesens Nr. 20 von Johann Ostheimer in Bellen. Bis zur Mitte der 20er Jahre war die Feuerwehr primitiv ausgerüstet, sie verfügte lediglich über Handfeuerspritzen.

1927 kam es unter Bürgermeister Pius Burger erstmals zum Ankauf einer Motorspritze. Das Fahrgestell bzw. der Wagen war aus Holz gefertigt und für Pferdezug vorgesehen. Für die damaligen Verhältnisse schon ein beachtlicher Fortschritt. 1927 war zugleich das Jahr der Fahnenweihe. Pfarrer Peter Dietrich weihte im Rahmen einer Festveranstaltung die neue Feuerwehrfahne. Nach amtlichen Aufzeichnungen zahlte die Gemeinde dem Verein das aus dem Fest resultierende Defizit.

Feuerwehrhaus in Freidorf

Um die neue Motorspritze jederzeit einsatzbereit und im Winter zugänglich zu halten, baute man 1929 ein Feuerwehrhaus an das bestehende Raiffeisenlagerhaus in Freidorf. Im trockenen Sommer und Herbst 1947 hatte die Feuerwehr Untermaiselstein mit den umliegenden Wehren nördostlich von Bellen einen Moorbrand zu bekämpfen. Der Brand machte einen mehrtägigen Einsatz notwendig.

Fortan war die Gemeinde bestrebt, die Ausrüstung ihrer Feuerwehr auf einen neuzeit-lichen Stand zu bringen und investierte erhebliche Summen für den Feuerschutz. Soweit notwendig, wurden in den einzelnen Ortschaften neue Löschwasserbehälter gebaut und später auch Tragkraftspritzen leichteren Formats stationiert. Nachdem die Motorspritze aus dem Jahre 1927 den Anforderungen nicht mehr entsprach und die Ersatzteil-beschaffung Schwierigkeiten bereitete, beschloss der Gemeinderat 1954 unter Bürgermeister Felix Jörg den Ankauf einer neuen Tragkraftspritze TS 8/8 mit Zubehör- und Transportwagen. 1966 wurden die Feuerwehrmänner mit einheitlichen Schutzanzügen ausgestattet.

Viel gefordert war die örtliche Feuerwehr in den Jahren von 1970 bis 1980. Zu einem Katastropheneinsatz kam es am 10. August 1970, als das Hochwasser im Raum Untermaiselstein den Illerdamm zu durchbrechen drohte. Fieberhaft versuchten die Feuerwehrmänner, die Bruchstelle zu schließen, was aber trotz aller Anstrengungen nicht gelang. Die austretende Iller überschwemmte nahezu die ganze Illertalebene, umflutete das landwirtschaftliche Anwesen Metz und machte die Evakuierung des Viehbestandes notwendig. 

Feuerwerhaus in Untermaiselstein

Während der folgenden Jahre brannten 3 landwirtschaftliche Anwesen nieder, und zwar am 8. November 1971 das Anwesen Nr. 10 von Michael Zick in Gindels, am 1. Oktober 1974 das Anwesen Nr. 1 von Heinz Tengel in Gindels und am 19. September 1980 das Wirtschaftsgebäude von Anwesen Nr. 1 von Georg Jörg in Freidorf. Gemeinsam mit den umliegenden Wehren wurden die Brände bekämpft und die umliegenden Gebäude geschützt.
Der Feuerschutz im Gemeindebereich vervollständigte sich durch die Anschaffung eines Feuerwehrautos im Jahre 1977 und die Erstellung eines neuen gemeindeweiten Hydrantennetzes im Rahmen des Fernwasseranschlusses in den Jahren 1980/81.
Bereits im Jahre 1984 stand die nächste große Anschaffung auf dem Programm: Am 16. Juni 1984 fand die Einweihung und Inbetriebnahme des LF 16 TS in Verbindung mit dem erstmals ausgetragenen Feuerwehrfest statt. Kosten für das neue Fahrzeug: 13.000.- DM.

Im selben Jahr wurde im ehemaligen Schulgebäude in Untermaiselstein eine Garage für das neue Fahrzeug eingerichtet. Historisch ist sicher auch die Demonstration der gemeindlichen Wehren in Rettenberg am 13.10.1985, an der sich die Feuerwehren aus Rettenberg, Kranzegg, Vorderburg, Immenstadt und Untermaiselstein beteiligten.

 

 Tragische Momente erlebte die FFW Untermaiselstein in den Jahren 1986 - 1989, als wir den Verlust von drei aktiven Feuerwehrkameraden hinnehmen mussten: Thomas Jörg (01.09.86, Silounfall, 20 Jahre alt), Josef Gschwend (13.04.88, Herzinfarkt, 41 Jahre alt) und Ottmar Sommer (30.01.89, Autounfall, 35 Jahre alt). Im Jahr 1989 wurde erstmals ein Funkgerät für das Fahrzeug und drei Handsprechfunkgeräte angeschafft. 1990 wurde mit Klaus Sprinkart ein Leiter für den Atemschutz bestimmt. 

Neubau in Freidorf

Der Höhepunkt schlechthin in der Vereinsgeschichte war sicher im Jahr 1991, als im Juni das neue Feuerwehrhaus in Freidorf nach viel Arbeit in Eigenleistung eingeweiht werden konnte. Kosten: 350.000.- DM. Folgende Großbrände hielten die FFW Untermaiselstein in den Folgejahren auf Trab: Stadelbrand bei Franz Hammerl (1992), Bauernhofbrand bei Gehring/Altach (1993) und Wohnhausbrand bei Ettensberger/Acker (1994). Außerdem wurde im Jahr 1994 wieder eine neue TS 8 angeschafft.
Im Jahre 1995 wurde erstmals eine Schrottsammlung durchgeführt, diese hat sich bewährt, so dass sie bis zum heutigen Tag jährlich durchgeführt wird. 

Hochwasser

Ein Einsatz der besonderen Art ließ die Sirenen 1996 aufheulen, als im Weiher bei Untermaiselstein das Schilf brannte. Im Mai 1999 führten tagelange Regenfälle und Schneeschmelze zum Jahrhunderthochwasser, dem sogenannten Pfingsthochwasser.

Ein Bruch des Illerdammes südlich von Untermaiselstein forderte die Feuerwehrkameraden aus Untermaiselstein 5 Tage zum Dauereinsatz heraus (1700 Arbeitsstunden, 2000 Sandsäcke aufgefüllt). Zu den Aufgaben zählten hier die Evakuierung von Mensch und Tier sowie das Auspumpen von zahlreichen Kellern. Die Anwesen Metz, Immler, Elsner und Hans Jörg in der Au waren nur noch mit dem Schlauchboot zu erreichen.

Anschaffung LF16

Grund zur Freude hatten die Floriansjünger aus Untermaiselstein, als am 26.09.1999 nach viel Eigeninitiative gebrauchtes LF 16 für 35.000.- DM eingeweiht und seinen Bestimmungen übergeben werden konnte. Dieses Fahrzeug ist bis heute im Einsatz.
Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde im September 2001 ein 2-tägiger Vereins-ausflug mit Ziel Südtirol durchgeführt. Im gleichen Jahr hatten wir bei extremer Kälte
(-16 Grad) am 16.12.2001 den Hausbrand bei Alfons Roth in Untermaiselstein zu -bewältigen. Der im Jahre 2003 durchgeführte Vereinsausflug führte uns für drei Tage nach Hamburg.

Nach 21-jähriger Tätigkeit gab Josef Luitz sein Amt als Kommandant im Jahr 2004 an Helmut Endras ab. 

In der Nacht vom 22. auf 23. August 2005 war erneut Hochwasseralarm nach starken Regenfällen ausgelöst worden. Sofort wurde erneut die Evakuierung des Anwesens Metz eingeleitet. Gott sei Dank hielt diesmal der Illerdamm den Wassermassen stand, so dass es zu keinen größeren Schäden gekommen war. -Unsere TS 8 hatte allerdings nach diesem erneuten Hochwassereinsatz den Geist -aufgegeben, so dass im Frühjahr 2006 eine neue TS 8 angeschafft werden musste.

 

Jubiläum 125 Jahre

Im Mai 2007 wurde das 125- jährige Jubiläum mit einem großen Fest gefeiert. Das Fest dauerte von Donnerstag bis Sonntag und beanspruchte die Vereinsmitglieder in vollem Umfang. Trotz der durchwachsenen Witterung an den ersten Tagen war das Fest ein voller Erfolg. Am Festsonntag konnte Hermann Hindelang aus Greggenhofen zum Ehrenkommandanten ernannt werden. Der Abbau des Festzeltes begann noch in der Sonntag Nacht. Bis Montag Nachmittag war das Zelt vollständig verschwunden und alles aufgeräumt, bevor ein schweres Gewitter aufgezogen ist. Dieser Erfolg wurde von den erschöpften Vereinsmitgliedern noch im Feuerwehrhaus gefeiert, als am Abend die Sirene ertönte. Ein Blitzschlag hatte den Hof von Stefan Gehring in Rettenberg getroffen. Zum Glück hatte der Einschlag nur Sachschaden und keinen Brand erzeugt und die angeschlagene Mannschaft konnte wieder ins Feuerwehrhaus zurückkehren.

Im Jahr 2012 wurde eine neue Vereinsfahne angeschafft. Die alte Fahne war vom langjährigen Einsatz gezeichnet und die Vorstandschaft unter Wendelin Herz hat eine neue Fahne bei Firma Buri aus Würzburg in Auftrag gegeben. Die Kosten für die Fahne lagen bei 17.500 Euro, die aus Rücklagen vom Festzelt finanziert werden konnten.

 

Anschaffung neues LF20

Ein absolute Besonderheit konnte die Feuerwehr Untermaiselstein im Jahr 2017 verzeichnen. Zum ersten Mal seit Bestehen der Wehr wurde ein neues Fahrzeug beschafft. Es handelt sich um ein LF20 der Firma Schlingmann aus Dissen. Möglich war diese Anschaffung durch die enge und konsequente Zusammenarbeit der Untermaiselsteiner Wehr mit der Gemeinde Rettenberg und der Partnerwehr Rettenberg.  Bürgermeister Oliver Kunz entschied zusammen mit den amtierenden Kommandenten Helmut Endras und Mirco Voss, dass eine Neubeschaffung langfristig die beste Lösung für die Gemeinde ist. Ein baugleiches Fahrzeug wurde auch für die Wehr in Rettenberg beschafft. Nach langen Vorbereitungen konnte am 20. Juni 2017 die beiden Fahrzeug abgeholt werden. Um mit der neuen Ausrüstung vertraut zu werden, waren natürlich zahlreiche Zusatzproben notwendig. Für die Feuerwehr Untermaiselstein hat sich mit dieser Anschaffung der technische Stand der Ausrüstung schlagartig verbessert. Vor allem der Wassertank im Fahrzeug mit 2.4000l Fassungsvermögen ermöglicht ein deutlich schnelleres Eingreifen der Atemschutzgeräteträger bei Wohnungsbränden.

Anbau Feuerwehrhaus Freidorf

Im gleichen Jahr leistete die Feuerwehr Untermaiselstein einen weiteren Kraftakt. Am Feuerwehrhaus in Freidorf wurde in Eigenleistung ein Anbau für die Umkleidespinde erstellt. Diese Erweiterung war dringend notwendig, da die alte Umkleide direkt neben dem Fahrzeug schon lange nicht mehr zulässig war. Pünktlich zum Jahresende konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden.

Anbau Garage Rottach und neues Fahrzeug

Ein ganz besonderes Jahr in jeder Hinsicht hat sich 2020 ereignet. Gleich im Januar musste die Feuerwehr Untermaiselstein zusammen mit Rettenberg und Immenstadt zu einem Großbrand einer Lagerhalle in Greggenhofen ausrücken. Nur durch das schnelle Eingreifen konnte ein Übergreifen der Flammen auf Wohngebäude verhindert werden. Menschen wurden zum Glück nicht verletzt. Es entstand ein sehr großer Sachschaden.

Durch die weltweite Ausbreitung von Covid-19 / Corona wurde das öffentliche Leben einschneidend verändert. Zu Beginn wurden Vereinsveranstaltungen wie Faschingsball und Bockbierfest noch durchgeführt. Doch ab März wurden auch in Deutschland ernste Maßnahmen ergriffen. Für die Feuerwehr Untermaiselstein musste schweren Herzens der geplante Vereinsausflug nach Hamburg abgesagt werden. Kurz darauf wurden alle Übungen eingestellt und das Vereinsleben kam zum Erliegen. Erst im Jahr 2022 konnte das Vereinsleben wieder ohne große Einschränkungen wieder aufgenommen werden.

Um die beengten Platzverhältnisse in Rottach zu verbessern war der Neubau einer Feuerwehrgarage geplant. Diese Vorhaben wurde im Juli 2020 begonnen sobald die Corona Maßnahmen gelockert wurden. Mit viel Eigenleistung konnte so bis Oktober der Anbau an das Schützenhaus fertiggestellt werden.

Dank dieser Garage war dann der notwendige Platz vorhanden, um im Jahr 2023 ein gebrauchtes Standardfahrzeug anzuschaffen. Aus Thüringen wurde ein komplett überholtes LF8 erworben. Damit konnte die selbst ausgebaute VW- Pritsche ersetzt werden.  Mit zwei Atemschutzgeräten und vollständiger Ausrüstung ist das neue Fahrzeug die richtige Basis für die leistungsstarke Gruppe in Rottach.

Auszug aus der Gemeinde-Chronik Untermaiselstein

Altbürgermeister Dr. Josef Kirchmann aus Rottach widmete sich mit viel Energie der Sammlung und dem Erhalt von historischen Informationen zur Altgemeinde Untermaiselstein und deren Ortsteilen. Dazu hat er ein eigenes Buch verfasst.

Hier ein Auszug mit Informationen zu den Feuerwehren in diesem Bereich:

 

Vereinsleben in Untermaiselstein - Die Freiwillige Feuerwehr

In den einzelnen Ortsteilen gab es zwar eine bescheidene Feuerwehr, die für den akuten
Brandfall zwar nicht technisch auf dem neuesten Stand war, jedoch so weit einsatzfähig war,
um Schlimmeres zu verhindern. Im Ortsteil Rottach wurde z. B. von der Witwe Elise Sommer
schon früh ein Grundstück erworben, auf dem (damals durch Johann Mösmang von Nr. 13)
ein Spritzenstadel errichtet werden konnte.
Ihre Gründung fällt in die Zeit des Jahren 1882, als der Landesfeuerwehrverband eine ganze
Reihe von Wehren in Bayern offiziell bestätigt. Aus dieser Zeit liegt eine genaue
„Instruktion“ vor, die eine Aufgabenverteilung beinhaltet:
„Die Kontrolle über den Feuerreiter und den Beschauungsdienst ist während jedes laufenden
Jahres dem jeweiligen Ortsführer unterstellt. Derselbe hat die nötigen Abänderungen
gewissenhaft zu verzeichnen, die Betreffenden von dem anstehenden Dienst s o f o r t zu
berichten und dem Kommando der Freiwilligen Feuerwehr für die vollständige
Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich.“
Am 1. Juli 1882 wurde der Verein der Feuerwehr auf Anraten
des Hauptmanns Riederer und des damaligen Rottacher Lehrers
Aubele offiziell gegründet. Wie sehr das Anliegen einer
organisierten Wehr in der Bevölkerung erwartet wurde, zeigt der
spontane Beitritt von 82 Männern mit der Beitschaft zur
Mitgliedschaft. Gründungsmitglieder waren Stanislaus Zettler
von Rottach, der Müllermeister Alois Bühler von
Untermaiselstein 17, der gleich Kommandant wurde und der
Lehrer Aubele, der sich als Schriftführer und Kassier zur
Verfügung gestellt hatte. Martin Herz wurde zum Zeugwart
ernannt, Michael Reiser zum Zugführer der Steiger. Fidel Herz
aus Greggenhofen bekam den Posten des Zugführers der
Spritzenmannschaft, Lehrer Aubele sollte als Zugführer der
Ordnungsmannschaft bereitstehen. Zum Rottenführer der Steiger
wurde Johann Hage gewählt, zum Rottenführer der Spritzenmannschaft Magnus Epple aus
Untermaiselstein.
Die o. g. „Instruktion“ geht sogar ins Detail und es
werden klare Positionen zugeordnet. Feuerreiter Ignaz
Uhlemayr hat folgende Aufgabe: „Wird der Brand von
der Zollbrücke her alarmiert, so hat derselbe die Tour:
Freidorf, Humbach, Gindels, Rottach.“ Johann Georg
Roth hat Greggenhofen zu alarmieren. Wird der Brand
von Rottach her resp. von über dem Stein alarmiert, so
hat Ignaz Uhlemayr die Tour Zollbrücke – Immenstadt.
Feuerreiter Bühler hat Uhlemayr von dem Dienst
abzulösen von der Tour Freidorf, Humbach, Gindels,
Rottach, wenn es in dem geschlossenen Orte Maiselstein
brennt. Bühler hat dann dem Elbs zu berichten, damit
derselbe nach Greggenhofen meldet. Bei vorliegendem
Falle ist der Feuerreiter Jäck von der Zollbrücke zu
senden. Der Aufstellungsplatz der Mannschaft bei
Ausbruch eines auswärtigen Brandes ist an der Ortstafel.


Am 14.01.1888 wird der Ortsführer der Gemeinde Rottach von der Feuerwehr
Untermaiselstein offiziell angeschrieben, in Sachen Feuerreiter und deren Dienstlohn
konsequenter zu sein, auch was den Dienst am Pfarrhaus betrifft. Diese Person habe auch jede
andere Übung mitzumachen. Empfohlen wird den Rottachern, das Kontrollbuch gewissenhaft
zu führen. Bei der Feuerwehr Untermaiselstein unterzeichneten der Vorstand Reiser, der
Kommandant Bühler und der Kassier, Bgm. Huber.
Für den Bespannungsdienst gibt es auch genaue Vorschriften. „An der Spritze sind die
Geschwister Bühler und Xaver Roth. Auf dem Mannschaftswagen müssen die Witwe
Katharina Roth und Ludwig Böck sein, sowie Josef Lochbihler als Ersatz Franz Herb, an der
Leiter Hyronimus Kolb.“
Die heutigen Ausflüge (Vereinsfahrten) gehen oft über Hunderte von Kilometern. Damit soll
der Zusammenhalt im Verein und die Geselligkeit wachsen. Vor 120 Jahren (genau gesagt am
Sonntag, 19. Juli 1891) war der Ausflug der Feuerwehrvereins Untermaislstein (der
zusammen mit den Veteranen durchgeführt wurde) mit dem Zielort Rettenberg bereits eine
größere Angelegenheit, vor allem, weil die Blechmusik Immenstadt beide Vereine begleitete.
„Die Leiter ist von Kolb bei allen Bränden in der Richtung
Zollbrücke, bei allen Übungen und Bränden in der eigenen
Pfarrei zu führen. Die Brandwache haben Ludwig Natterer
und Ludwig Böck. Bei Brandfällen haben aktive und
Resevepferde in Anbetracht der größeren und schnelleren
Fertigkeit auf dem Aufstellungsplatz zu erscheinen.“
Geordnet 1. Juli 1891 Franz Huber, Schriftführer.
Eindringlich wird im Juli 1895 noch einmal die
Instruktion verfasst und Ludwig Natterer und Ludwig Böck
für die Landwehr zugeordnet, was Schriftführer Zettler
bestätigte.
Auch die Aufsicht über die Trinkwasserverhältnisse oblagen
der Feuerwehr. Eine Inspektion des Schulhauses brachte auch diverse Mängel und
notwendige Reparaturen ans Tageslicht, nachdem die Feuerwehr eine gründliche
Besichtigung vornahm. In einem Schreiben der Wehr wird auch festgehalten, die die
Trinkwasserversorgung in Untermaiselstein allzu sehr in der Qualität von den fünf
unterschiedlichen Quellleitungen abhängt, die öfters warmes bis schlechtes Wasser lieferten.
Man appelliert an die Bevölkerung mit dem Hinweis: „Es wäre schon aus Gründen der
Gesundheitspflege geboten, dass auch die Gemeindebürger zur Erhaltung von Quellleitungen
entschlossen sind. Vielleicht bedarf es auch einer Anregung der Bürgermeister, dass in dieser
Beziehung etwas geschieht!“
Auch die Männer der Rottacher Wehr werden darauf hingewiesen, dass sie- ebenso wie in
Freidorf- Fackeln anschaffen sollten. Ferner bemängelt die Wehraufsicht verschiedene
Schäden am Schulhaus und an der Kirche.
Am 12. Oktober 1932 sollte das 50-jährige Jubiläum gebührend gefeiert werden. Leider hatte
der Wettergott einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei strömendem Regen ließen sich
aber die Vereinsmitglieder und auch die anderen Vereine nicht davon abhalten, im stattlichen
Festzug mitzugehen. Die Kapelle der Hanfwerke war ebenso dabei wie der Kirchenchor.
Bürgermeister Pius Burger gedachte in seiner Ansprache auch der gefallenen Mitglieder. Am
Mahnmal wurden Kränze niedergelegt. Inspektor Waibel machte eine Gerätebesichtigung und
ließ sich Manches vorführen. Beim Otto Natterer´schen Anwesen wurde ein Brand simuliert.
Es zeigte sich, dass 120 Mann in stets guter Schulung waren. Gustav Natterer hielt die
Begrüßungsrede und konnte viele Ehrengäste willkommen heißen, nicht nur die Herren der
Bezirksbrandinspektion, auch Benefiziat Gromer, Herrn Lehrer Mühlegg, Pfarrer Dietrich,
Lehrer Steidele und die noch lebenden Gründungsmitglieder. Leider war Oberregierungsrat
Jäger verhindert. Kommandant Uhlemayr und Otto Natterer erläuterten die Schlagkraft der
Wehr.
Es waren beim Festakt noch acht
Gründungsmitglieder dabei, nämlich der
Lehrer a. D. Franz Seraphin Aubele
(Kempten), Franz Josef Hengge aus
Greggenhofeen, Fidel Hindelang aus
Greggenhofen, Franz Haug aus
Greggenhofen, Franz Xaver Jörg aus
Untermaiselstein, Ludwig Natterer aus
Freidorf, Anton Luitz aus Rottach und
Ludwig Neß aus Wolfis.
Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt: Ludwig Lochbihler, Remig Holzer, Leopold Holzer,
Wilhelm Dengel, Anton Steiner, Ludwig Schneider, August Neß und Fidel Buchenberg.
77 Vereinskameraden seien – so der
Vorstand – im Weltkrieg gewesen,
davon hätten zehn Mann den
Heldentod erlitten, 16 Mann seien
verwundet zurückgekommen, vier
mussten das schwere Los der
Gefangenschaft erleiden, einer der
Soldaten gelte nach wie vor als
vermisst.
Die Feuerwehr konnte nach 50 Jahren
ihres Bestehens feststellen, dass sie
an fünf Bränden in der Gemeinde
beteiligt gewesen ist und an neun Bränden außerhalb der Gemeinde im Einsatz war.
Dienstauszeichnungen erhielten 59 Mann für 25-jährige Zugehörigkeit, 14 Mann für 40 Jahre
Mitgliedschaft.
In der Regel hielten viele Jahre Veteranen- und Feuerwehrverein die Jahresversammlung im
Gasthof „Zum Löwen“ in Rottach ab. So gab in der Regel Bürgermeister Karl Jörg als 1.
Vorstand des Veteranenvereins den Bericht. Schriftführer Max Steiner verlas den
Jahresbericht.
Dass es die Feuerwehr auch versteht, bei Vereinsjubiläen die Nachbarwehren zu mobilisieren,
ist bekannt.
Über die Hauptübungen der Wehr hatte
wiederholt auch das Allgäuer Anzeigeblatt
berichtet. So z. B. heißt es in einem Bericht vom
30. April 1955, dass die Hauptübung einen
zufriedenen Verlauf genommen habe. Auch in
mehreren Ausgaben des Mitteilungsblattes der
Gemeinde Rettenberg wurde über die
verschiedenen Frühjahrs-und Herbstübungen
berichtet.