Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Untermaiselstein

Aufgrund der Urkunde des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes in München vom 1. Januar 1899 wurde die Freiwillige Feuerwehr Untermaiselstein als Mitglied und als am 1. Juni 1882 gegründet in die Grundliste des Verbandes eingetragen. Spärliche Aufzeichnungen sind über den Einsatz der neugegründeten Feuerwehr und das Vereinsgeschehen während der folgenden Jahre vorhanden.

Mündlich ist überliefert, dass sich Untermaiselsteiner Bürger im Rahmen der Nachbarschaftshilfe auch an den Löscharbeiten bei den Grossbränden in Immenstadt und Wertach beteiligt haben. In Immenstadt waren die Untermaiselsteiner zum Schutz des Klosters eingesetzt. Aus Dankbarkeit wurde von den Patres lange Zeit am Jahrestag eine heilige Messe für die verstorbenen Feuerwehrleute aus Untermaiselstein gelesen.

Nachweisbar bekämpfte die Wehr im Jahre 1899 den Brand des landwirtschaftlichen Anwesens Nr. 7 von Albert Jörg in Freidorf und 1925 den Brand des landwirtschaftlichen Anwesens Nr. 20 von Johann Ostheimer in Bellen. Bis zur Mitte der 20er Jahre war die Feuerwehr primitiv ausgerüstet, sie verfügte lediglich über Handfeuerspritzen.

1927 kam es unter Bürgermeister Pius Burger erstmals zum Ankauf einer Motorspritze. Das Fahrgestell bzw. der Wagen war aus Holz gefertigt und für Pferdezug vorgesehen. Für die damaligen Verhältnisse schon ein beachtlicher Fortschritt. 1927 war zugleich das Jahr der Fahnenweihe. Pfarrer Peter Dietrich weihte im Rahmen einer Festveranstaltung die neue Feuerwehrfahne. Nach amtlichen Aufzeichnungen zahlte die Gemeinde dem Verein das aus dem Fest resultierende Defizit.

Feuerwehrhaus in Freidorf

Um die neue Motorspritze jederzeit einsatzbereit und im Winter zugänglich zu halten, baute man 1929 ein Feuerwehrhaus an das bestehende Raiffeisenlagerhaus in Freidorf. Im trockenen Sommer und Herbst 1947 hatte die Feuerwehr Untermaiselstein mit den umliegenden Wehren nördostlich von Bellen einen Moorbrand zu bekämpfen. Der Brand machte einen mehrtägigen Einsatz notwendig.

Fortan war die Gemeinde bestrebt, die Ausrüstung ihrer Feuerwehr auf einen neuzeit-lichen Stand zu bringen und investierte erhebliche Summen für den Feuerschutz. Soweit notwendig, wurden in den einzelnen Ortschaften neue Löschwasserbehälter gebaut und später auch Tragkraftspritzen leichteren Formats stationiert. Nachdem die Motorspritze aus dem Jahre 1927 den Anforderungen nicht mehr entsprach und die Ersatzteil-beschaffung Schwierigkeiten bereitete, beschloss der Gemeinderat 1954 unter Bürgermeister Felix Jörg den Ankauf einer neuen Tragkraftspritze TS 8/8 mit Zubehör- und Transportwagen. 1966 wurden die Feuerwehrmänner mit einheitlichen Schutzanzügen ausgestattet.

Viel gefordert war die örtliche Feuerwehr in den Jahren von 1970 bis 1980. Zu einem Katastropheneinsatz kam es am 10. August 1970, als das Hochwasser im Raum Untermaiselstein den Illerdamm zu durchbrechen drohte. Fieberhaft versuchten die Feuerwehrmänner, die Bruchstelle zu schließen, was aber trotz aller Anstrengungen nicht gelang. Die austretende Iller überschwemmte nahezu die ganze Illertalebene, umflutete das landwirtschaftliche Anwesen Metz und machte die Evakuierung des Viehbestandes notwendig. 

Feuerwerhaus in Untermaiselstein

Während der folgenden Jahre brannten 3 landwirtschaftliche Anwesen nieder, und zwar am 8. November 1971 das Anwesen Nr. 10 von Michael Zick in Gindels, am 1. Oktober 1974 das Anwesen Nr. 1 von Heinz Tengel in Gindels und am 19. September 1980 das Wirtschaftsgebäude von Anwesen Nr. 1 von Georg Jörg in Freidorf. Gemeinsam mit den umliegenden Wehren wurden die Brände bekämpft und die umliegenden Gebäude geschützt.
Der Feuerschutz im Gemeindebereich vervollständigte sich durch die Anschaffung eines Feuerwehrautos im Jahre 1977 und die Erstellung eines neuen gemeindeweiten Hydrantennetzes im Rahmen des Fernwasseranschlusses in den Jahren 1980/81.
Bereits im Jahre 1984 stand die nächste große Anschaffung auf dem Programm: Am 16. Juni 1984 fand die Einweihung und Inbetriebnahme des LF 16 TS in Verbindung mit dem erstmals ausgetragenen Feuerwehrfest statt. Kosten für das neue Fahrzeug: 13.000.- DM.

Im selben Jahr wurde im ehemaligen Schulgebäude in Untermaiselstein eine Garage für das neue Fahrzeug eingerichtet. Historisch ist sicher auch die Demonstration der gemeindlichen Wehren in Rettenberg am 13.10.1985, an der sich die Feuerwehren aus Rettenberg, Kranzegg, Vorderburg, Immenstadt und Untermaiselstein beteiligten.

 

 Tragische Momente erlebte die FFW Untermaiselstein in den Jahren 1986 - 1989, als wir den Verlust von drei aktiven Feuerwehrkameraden hinnehmen mussten: Thomas Jörg (01.09.86, Silounfall, 20 Jahre alt), Josef Gschwend (13.04.88, Herzinfarkt, 41 Jahre alt) und Ottmar Sommer (30.01.89, Autounfall, 35 Jahre alt). Im Jahr 1989 wurde erstmals ein Funkgerät für das Fahrzeug und drei Handsprechfunkgeräte angeschafft. 1990 wurde mit Klaus Sprinkart ein Leiter für den Atemschutz bestimmt. 

Neubau in Freidorf

Der Höhepunkt schlechthin in der Vereinsgeschichte war sicher im Jahr 1991, als im Juni das neue Feuerwehrhaus in Freidorf nach viel Arbeit in Eigenleistung eingeweiht werden konnte. Kosten: 350.000.- DM. Folgende Großbrände hielten die FFW Untermaiselstein in den Folgejahren auf Trab: Stadelbrand bei Franz Hammerl (1992), Bauernhofbrand bei Gehring/Altach (1993) und Wohnhausbrand bei Ettensberger/Acker (1994). Außerdem wurde im Jahr 1994 wieder eine neue TS 8 angeschafft.
Im Jahre 1995 wurde erstmals eine Schrottsammlung durchgeführt, diese hat sich bewährt, so dass sie bis zum heutigen Tag jährlich durchgeführt wird. 

Hochwasser

Ein Einsatz der besonderen Art ließ die Sirenen 1996 aufheulen, als im Weiher bei Untermaiselstein das Schilf brannte. Im Mai 1999 führten tagelange Regenfälle und Schneeschmelze zum Jahrhunderthochwasser, dem sogenannten Pfingsthochwasser.

Ein Bruch des Illerdammes südlich von Untermaiselstein forderte die Feuerwehrkameraden aus Untermaiselstein 5 Tage zum Dauereinsatz heraus (1700 Arbeitsstunden, 2000 Sandsäcke aufgefüllt). Zu den Aufgaben zählten hier die Evakuierung von Mensch und Tier sowie das Auspumpen von zahlreichen Kellern. Die Anwesen Metz, Immler, Elsner und Hans Jörg in der Au waren nur noch mit dem Schlauchboot zu erreichen.

Anschaffung LF16

Grund zur Freude hatten die Floriansjünger aus Untermaiselstein, als am 26.09.1999 nach viel Eigeninitiative gebrauchtes LF 16 für 35.000.- DM eingeweiht und seinen Bestimmungen übergeben werden konnte. Dieses Fahrzeug ist bis heute im Einsatz.
Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde im September 2001 ein 2-tägiger Vereins-ausflug mit Ziel Südtirol durchgeführt. Im gleichen Jahr hatten wir bei extremer Kälte
(-16 Grad) am 16.12.2001 den Hausbrand bei Alfons Roth in Untermaiselstein zu -bewältigen. Der im Jahre 2003 durchgeführte Vereinsausflug führte uns für drei Tage nach Hamburg.

Nach 21-jähriger Tätigkeit gab Josef Luitz sein Amt als Kommandant im Jahr 2004 an Helmut Endras ab. 

In der Nacht vom 22. auf 23. August 2005 war erneut Hochwasseralarm nach starken Regenfällen ausgelöst worden. Sofort wurde erneut die Evakuierung des Anwesens Metz eingeleitet. Gott sei Dank hielt diesmal der Illerdamm den Wassermassen stand, so dass es zu keinen größeren Schäden gekommen war. -Unsere TS 8 hatte allerdings nach diesem erneuten Hochwassereinsatz den Geist -aufgegeben, so dass im Frühjahr 2006 eine neue TS 8 angeschafft werden musste.

 

Jubiläum 125 Jahre

Im Mai 2007 wurde das 125- jährige Jubiläum mit einem großen Fest gefeiert. Das Fest dauerte von Donnerstag bis Sonntag und beanspruchte die Vereinsmitglieder in vollem Umfang. Trotz der durchwachsenen Witterung an den ersten Tagen war das Fest ein voller Erfolg. Am Festsonntag konnte Hermann Hindelang aus Greggenhofen zum Ehrenkommandanten ernannt werden. Der Abbau des Festzeltes begann noch in der Sonntag Nacht. Bis Montag Nachmittag war das Zelt vollständig verschwunden und alles aufgeräumt, bevor ein schweres Gewitter aufgezogen ist. Dieser Erfolg wurde von den erschöpften Vereinsmitgliedern noch im Feuerwehrhaus gefeiert, als am Abend die Sirene ertönte. Ein Blitzschlag hatte den Hof von Stefan Gehring in Rettenberg getroffen. Zum Glück hatte der Einschlag nur Sachschaden und keinen Brand erzeugt und die angeschlagene Mannschaft konnte wieder ins Feuerwehrhaus zurückkehren.

Im Jahr 2012 wurde eine neue Vereinsfahne angeschafft. Die alte Fahne war vom langjährigen Einsatz gezeichnet und die Vorstandschaft unter Wendelin Herz hat eine neue Fahne bei Firma Buri aus Würzburg in Auftrag gegeben. Die Kosten für die Fahne lagen bei 17.500 Euro, die aus Rücklagen vom Festzelt finanziert werden konnten.

Heute gehören der FFW Untermaiselstein unter Kommandant Helmut Endras 65 aktive Feuerwehrkameraden an. An der Spitze des Vereins steht seit 2014 Harald Wetzel aus Greggenhofen.